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Bruce Schneier: Warum Vistas DRM schlecht ist

Why Vista’s DRM Is Bad For You
Bruce Schneier
Forbes
February 12, 2007

Windows Vista kommt mit einer Sammlung “Features” die keiner will. Sie machen den Computer weniger zuverlässig und sicher. Durch sie läuft der Computer weniger stabil und zudem langsamer. Sie werden technische Problem aufwerfen. Und sie werden wohl den Einsatz neuer Hard- und Software erfordern. Diese Features haben keinen Nutzen sondern richten sich gegen den Anwender. Diese Features gehören zum Digitalen Rechtemanagement (DRM), das Microsoft auf Wunsch der Unterhaltungsindustrie in Vista eingebaut hat.

Und man kann sich dem nicht verweigern.

Die Details sind ziemlich abgehoben, aber im Grunde genommen hat Microsoft den Kern des Betriebssystems so umgemodelt, dass Kopierschutztechniken für die neuen Medienformate wie HD-DVD und Blu-Ray Discs unterstützt werden.

Die High-Quality-Pfade für Audio und Video sind geschützer Peripherie vorbehalten. In manchen Fällen wird die Ausgabequalität künstlich verschlechtert oder die Ausgabe ganz verhindert. Zudem verwendet Vista kontinuerlich Rechenzeit zur eigenen Überwachung, um herauszufinden, ob der Anwender Dinge tut, die er lassen sollte. Erkennt Vista ein solches Verhalten, schränkt es die Funktionalität des Systems ein und startet in extremen Fällen lediglich das Videosubsystem. Die genauen Details und wie weit das Ganze geht ist bisher nicht bekannt, aber es sieht nicht gut aus.

Microsoft hat diese die Funktionalität einschränkenden Features eingebaut, weil sie die Unterhaltungsindustrie beherrschen wollen. So stellt es Microsoft natürlich nicht da. Sie behaupten weiterhin, dass sie keine Wahl haben und dass Hollywood DRM in Windows als Vorraussetzung für “premium content” – also neue Filme, die noch Gewinn abwerfen – auf dem Computer verlangt. Würde Microsoft nicht mitspielen, käme es auf’s Abstellgleis, weil Hollywood die Plattform nicht mehr unterstützen würde.

Das ist alles kompletter Schwachsinn. Microsoft hätte der Unterhaltungsindustrie ganz einfach sagen können, dass es nicht absichtlich sein Betriebssystem verkrüppelt, friss oder stirb. An wen sollte sich Hollywood denn wenden, bei Microsofts Marktanteil bei Betriebssystemen von 95%? Sicher, Big Media forciert zwar DRM, doch haben einige – Sony nach ihrem Debakel von 2005 und nun auch EMI – Bedenken.

Endlich kapieren die Firmen der Unterhaltungsindustrie, dass DRM lediglich ihre Kunden verärgert. Wie jedes andere je erfundene DRM-System auch, wird das von Microsoft die professionellen Piraten nicht davon abhalten, beliebig Kopien zu erstellen. Die DRM-Sicherheit von Vista war schon bei ihrer Veröffentlichung geknackt. Natürlich wird Microsoft nachbessern, aber auch das gepatchte System wird geknackt werden. Es handelt sich hier um ein Wettrüsten, das die Verteidiger nicht gewinnen können.

Ich glaube, Microsoft weiß das und auch, dass es eigentlich egal ist. Es geht hier nicht um die Verhinderung der Piratie und den kleinen Anteil der Leute, die kostenlos Filme aus dem Internet herunterladen. Es geht Microsoft nicht mal darum, seine Kunden aus Hollywood auf Kosten derjeniger unter uns, die für das Recht zahlen, Vista nutzen zu dürfen, zufrieden zu stellen. Es geht um die überwältigende Mehrheit ehrlicher Anwender und wer die Distributionskanäle zu ihnen kontrolliert. Und auch wenn es als Partnerschaft begonnen hat, werden die Firmen schließlich darauf festnagelt, den Content in Microsofts proprietären Formaten zu verkaufen.

Der Trick ist eigentlich bekannt, Apple hat ihn mit der Musikindustrie durchgezogen. Anfangs ging iTunes eine Partnerschaft mit den Plattenfirmen ein, um deren Content unter die Leute zu bringen, doch schon bald mußte der CEO von Warner Music Edgar Bronfman Jr. feststellen, dass Steve Jobs sich kein Preismodell diktieren ließ. Das gleiche wird hier passieren; sobald Vista sich im Markt festgesetzt hat, wird Howard Stringer von Sony Bill Gates weder Preise noch Bedingungen diktieren können. Dies ist ein Krieg um den Filmvertrieb im 21. Jahrhundert und wenn sich der Staub gelegt hat, wird Hollywood sich gewaltig umgucken.

Fairerweise muß man sagen, dass Steve Jobs sich letzte Woche öffentlich gegen DRM ausgesprochen hat. Nun da Apple den Markt kontrolliert, ist das eine nachvollziehbare Position. Von Filmen hat Jobs jedoch nicht gesprochen und er ist Disneys größter Einzelaktionär. Der hat gut reden. Die Frage, auf die es ankommt, ist allerdings, ob er es erlauben würde, Medien aus dem iTuns Music Store auf Playern von Microsoft oder Sony abzuspielen, oder ob es nur seine clevere Methode ist, die Schuld auf die bereits verhassten Musiklabel abzuwälzen.

Microsoft hat weitaus höhere Ziele im Sinn als Apple: nicht nur Hollywood sondern auch alle Hersteller von Computerperipherie. Vistas DRM verlangt von den Entwicklern Treiber, die allen möglichen Vorgaben entsprechen und zertifiziert sind, ansonsten laufen sie nicht. Microsoft spricht bereits davon, dies auch auf unabhängige Softwareentwickler ausweiten zu wollen. Das ist ein weiterer Krieg um die Kontrolle des Computermarktes.

Leider landen wir Anwender im Kreuzfeuer. Uns werden nicht nur DRM-Systeme aufgewzungen, die unsere legitime Nutzung der gekauften Medien im Rahmen des Fair Use einschränken, sondern solche, die unsere gesamte Nutzung von Computern einschränken, auch jene, die nichts mit Copyrights zu tun hat.

Der Markt scheint das nicht regeln zu können, da Microsoft durch sein Monopol mehr Macht hat, als wir Konsumenten uns je erhoffen können. Auch wenn Microsoft ihr Monopol bei Betriebssystemen diesmal subtiler einsetzen als beim Erledigen von Netscape zur Beherrschung des Browsermarkts, ist die Masche doch dieselbe.

Microsofts Griff nach Anteilen des Unterhaltungmarktes könnte ihre Monopolstellung weiter festigen und zudem sowohl die Computer- als auch die Unterhaltungsindustrie ernsthaft schädigen. DRM ist schlecht für Konsumenten und die Unterhaltungsindustrie, die gerade erst beginnt, dies zu begreifen; doch Microsoft kämpft weiter. Manche Analysten halten dies für den Tropfen, der das Faß zum Überlaufen und Windows zu mehr Wettbewerb treiben wird, doch ich glaube, dass die Gerichte einschreiten müssen.

Bis es soweit ist, kann ich jedem nur raten, nicht auf Vista umzusteigen, was schwierig sein wird. Microsofts Bundling-Vereinbarungen mit Computerherstellern machen es zunehmend unmöglich, neue Computer ohne das Betriebssystem zu bekommen. Zudem hat Microsoft ziemlich tiefe Taschen und kann länger warten als jeder von uns. Natürlich werden einige Anwender zu Macintosh und wenige zu Linux wechseln doch die meisten müssen mit Windows arbeiten. Trotzdem, sollten genug Kunden nein zu Vista sagen, könnte die Firma sogar zuhören.

Übersetzt von Marvin, Korrekturen erwünscht